Anregungen und Tips

Diese Seite soll nicht den Anspruch erheben, irgendein non-plus-ultra unter den Radtour-Insiderinformationen zu sein, was Ausrüstung und Planung angeht. Gute Tips und Ratschläge für die Planung einer kleineren oder größeren Radtour kann man bei guten Outdoor-Ausrüstern bekommen.
Da wir mittlerweile so einige Erfahrungen machen konnten, möchten wir hierzu solche Dinge aufführen, die uns entweder besonders nützlich erscheinen, oder von denen wir denken, daß sie möglicherweise von anderen Ratgebern nicht genannt werden. Im übrigen beziehen sich unsere Anregungen und Tips speziell auf Radtouren in Afrika, bedingungslos empfehlen können wir hierfür die Republik Südafrika.

WEB-Links
Ansonsten möchten wir auf unsere Seite mit interessanten WEB-Links hinweisen, die wir über unsere African Bikers Homepage anbieten: Bilder von WEB-Cams in Afrika, Infos über Gesundheit / Impfungen / Einreisebestimmungen, Reiseberichte anderer Afrika-Radfahrer, etc.

Downloads
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Was ist wichtig bei der Planung einer großen (Afrika-) Radtour?

 

grundsätzliche Voraussetzungen

Als erstes möchten wir nochmal darauf hinweisen, daß seit unserer Tour 10 Jahre vergangen sind. So, wie wir sie gemacht haben, wäre eine solche Tour schon lange nicht mehr durchführbar.

Die Teilnehmer sollten sich darüber klar sein, auf was sie sich einlassen und sollten schon in der Planungsphase zusammenarbeiten. Unabhängigkeit durch individuelle Ausrüstung sichert die Möglichkeit, sich bei Unstimmigkeiten für eine bestimmte Zeit zu trennen und verschiedene Routen zu nehmen, gibt einfach das Gefühl der Freiheit, (auch wenn man sie nicht nutzt).

Wichtig ist es, sich aktuelle Infos über Krisen- oder Katastrophengebiete zu beschaffen, z.B. über das Auswärtige Amt in Berlin oder die Internetseiten der afrikanischen Länder.
Infos über Straßen und deren Beschaffenheit holt man sich am besten aus Fachliteratur, ebenso wie über das Klima zu bestimmten Jahreszeiten in den zu durchfahrenden Ländern (Wüsten, Sümpfe, ...). Wir empfehlen das Afrika-Handbuch vom Reiseaustatter Därr in München.

Allein oder zu zweit?

Für das Alleinreisen spricht der Umstand, daß man flexibler ist, sowie daß man automatisch dauernd den Kontakt zur Bevölkerung sucht. Dadurch gibt es ganz tolle Erlebnisse. Wenn man zu zweit unterwegs ist, scheut sich mancher evtl., eine Einladung auszusprechen. Für das zu zweit Reisen spricht, daß man sich austauschen kann, beim Einkaufen auf dem Markt paßt einer auf die Bikes auf, oder wenn man krank ist, kann der andere helfen. Die 3 Monate, die wir alleine gereist sind, haben uns die schönsten Erlebnisse mit den Einheimischen beschert. Ersatzteile, Medikamente, Zelt, Reiseliteratur und Kochgeschirr lassen sich gut zu zweit aufteilen und man radelt mit weniger Gewicht. Es gibt Frauen, die alleine Afrika bereist haben. Eine nicht zu aufreizende Reisebekleidung ist dann von Vorteil, besonders in der arabischen Welt.

Einstellung

Wer den Schritt wagt, aus dem entwickelten Europa in das arme Afrika zu radeln und es für sich zu entdecken, wird dauernd an seine Grenzen stoßen. Seien es die hygenischen, infrastrukturellen, politischen oder kulturellen Gegebenheiten. Vieles wird fremd, deshalb sollte man eine gute Portion Toleranz und Mitgefühl mitbringen.

Bike

Hier kommt es darauf an, wie häufig man auf unbefestigten Wegen unterwegs ist. Wer mehrheitlich Asphalt fährt, kommt mit einem Trekkingrad gut aus, wer viel “im Busch” unterwegs sein wird, für den empfiehlt sich ein Mountainbike.
Der Rahmen sollte eine gewisse Flexibilität haben - also lieber kein Aluminium, sondern besser eine Mischung z.B. Chrom-Molybdän. Am Rahmen sollte nicht gespart werden, wir hatten beide je einen Rahmenbruch trotz einem neuen Rahmen mit 10 Jahre Garantie! Bei den Komponenten sollte man auf Candileverbremsen und eine möglichst umfangreiche Schaltung achten, das heißt 3 Ritzel vorne und 6-8 Ritzel hinten. Der Sattel kann aus Leder oder Kunststoff sein. Wir hatten Brooksledersättel, die sehr bequem waren, aber wartungsintensiver sind als Kunststoffsättel.
Der Lenker sollte möglichst viele verschiedene Griffpositionen haben. An einem 6-8 Stunden Biketag ermüden die Hände nicht so schnell.
Klickpedale, Riemen oder garnichts ist Geschmacksache. Auch hier helfen die Riemen oder Klickpedale, der Ermüdung vorzubeugen. Bei den vorderen und hinteren Gepäckträgern sollte auch auf keinen Fall gespart werden. Hier setzt die englische Firma Blackburn Maßtäbe. Noch ein Hinweis: Wer darauf achtet, möglichst nur die gleichen Schraubenarten zu verwenden, spart Werkzeug.

Ausrüstung

Hier können wir speziell die von uns "getestete" Ausrüstung empfehlen:

Die Gepäcktaschen sollten aus wasserabweisendem Material sein. Trotz des hohen Preises sind Ortliebtaschen sehr gut geeignet. Generell ist zu sagen je weniger Gepäck desto besser. Wir hatten ohne Verpflegung jeder 35kg Gepäck. Das war eine ganze Menge, dafür waren wir wie Einzelreisende jeder mit allem ausgestattet.
Werkzeug und Ersatzteile sollten so ausgewählt werden, daß man auch größere Reparaturen ausführen kann. Spezialwerkzeuge wie Kranz und Tretarmabzieher gehören dazu wie Speichenschlüssel, Esatzkette, Nitendrücker und 32er Lagerschalenschlüssel. Auch 14-17er Lagerschalenschlüssel für die Laufräder sind wichtig, genauso wie Ersatzkugeln. Die Afrikaner radeln auf billigen Bikes Made in China und kennen keine Trekking- bzw MTB’s. Eine Ausnahme ist Südafrika. Dort bekommt man in den großen Städten überall Ersatzteile.
Sämtliche Medikamente sollten von zu Hause mitgenommen werden und in einen wasserdichten Beutel eingepackt sein. Ein Wassersack, den man abends in den Baum hängen kann, ist zum Duschen eine tolle Sache.
Als Kocher sollte man einen Allzweckbrenner mitnehmen. Gaskartuschen sind nur im südlichen Afrika erhältlich. Ein Wasserfilter ist unerläßlich. Hier hat sich der Katadynfilter aus der Schweiz bewährt. Mircopur Wasserentkeimungstabletten sollten nicht fehlen.

Landkarten

Leider kommt man um die roten Michelinkarten nicht drumherum. Der Maßstab beträgt 1cm gleich 40km. Damit wird nur das gröbste abgebildet. Einige der Höhenangaben sowie Entfernungen sind nicht korrekt.
Es gibt Detailkarten für die Sahara vom Geographischen Insitut in Paris (auch hier sind einige Angaben mit Vorsicht zu genießen: Einige eingezeichnete Pisten sind nicht mehr existent. Einige eingezeichnete Brunnen und Quellen schon seit Jahren versandet oder das Wasser ungenießbar).
Auch hierfür ist das Handbuch Afrika-Routen von Därr hilfreich.

Für die algerische Wüste hatten wir uns die oben genannten französische Militärlandkarten vom Geographischen Insitut besorgt. Darauf war jedes Wasserloch eingezeichnet. Genutzt haben wir diese nicht. Es gab immer genug Reisende mit Fahrzeugen, die Erbarmen mit einem durstigen Wüstenbiker hatten. Generell sollte man vor Ort immer die neuesten Informationen zur Strecke zu bekommen versuchen. Dabei erfährt man oft Details, die eine Karte nicht wiedergeben kann. Routen können jederzeit versandet oder uberflutet und damit unpassierbar sein.

Kleidung

Nicht zuviel Kleidung mitnehmen, die bekommt man in Afrika überall auf den Märkten, und dazu noch sehr günstig

Geld

Inklusive Rückflug hat die Reise 5000EUR gekostet für 13 Monate und 22000km.
Wir hatten Reiseschecks in US Dollar, sowie französichen Francs. Heute gehen natürlich Reiseschecks in Euro. In einigen Ländern gibt es einen lukrativen Schwarzmarkt, wo man teilweise ein vielfaches vom öffentlichen Kurs bekommen kann. Z.B. Nigeria, Zambia und Zimbabwe. Dafür braucht es Bargeld. Mittlerweile ist auch so mancher Zöllner auf die Idee gekommen, im Sattelrohr nachzuschauen. Eine Geheimtasche in der Radelshorts oder im Hemd ist eine gute Idee. Wir sind an keiner Grenze am Körper untersucht worden.

Reiseroute

Die “klassische Reiseroute” geht von Europa nach Ägypten, dort ins Flugzeug nach Nairobi in Kenia und dann per Rad nach Südafrika. Wer möglichst den ganzen Kontinent durchqueren möchte wird momentan (Stand Februar 2003) über Gibraltar, Maroko, Spanisch Sahara, Mauretanien (im Konvoi bzw Zug, da Rebellen), Senegal, Mali, Nigeria, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Uganda, Kenia, und dann nach Süden reisen. Die Demokratische Republik Kongo gilt es momentan zu meiden. Wer nur 3 Monate Zeit hat und bereit ist, 2500 km pro Monat zu radeln, kann auch in Nairobi anfangen und zum Kap in Südafrika reisen.

Straßen

Im Norden, Westen und Ostafrika sind nur die Hauptverkehrsstraßen asphaltiert. Mehrheitlich sind diese auch gut unterhalten, nur in besonders armen Ländern gibt es häufig Schlaglöcher. Die Nebenstraßen sind unbefestigt und südlich der Sahara besonders in der Regenzeit eine mühsame Angelegenheit. Ein besonderes Land ist die Demokratische Republik Kongo. Zu 99% besteht das Straßennetz aus Pisten und diese sind entweder sandig oder matschig. Auf den ca 1800km Wegen waren wir mit den Bikes schneller als jedes Auto, das wir getroffen haben! Wir konnten das Rad einfach über Baumstämme heben bzw auch mal durch den Fluß tragen.
Im südlichen Afrika sind die Hauptstraßen sehr gut asphaltiert und die Nebenstraßen als Pisten in sehr gutem Zustand. Ausnahme hier sind Botswana, Mocambique und Teile von Namibia, dort sind die Nebenpisten häufig sandig.

Gesundheit

Hier kommt es auf die zu bereisenden Gegenden an. In Namibia und Südafrika kann man problemlos Wasser aus der Leitung trinken, sowie Eis und ungewaschenes Obst essen. Ab Algerien haben wir das Trinkwasser gefiltert und erst in Kenia damit aufgehört.
In den Städten ist die Versorgung mit Trinkwasser meistens OK.
Malaria ist südlich der Sahara und dort besonders am Äquator entlang überall verbreitet. Trotz Prophylaxe aus Paludrine und Resochin haben wir je zweimal Malaria bekommen und zwar in Nigeria, Zentralafrikanische Republik, sowie der Demokratischen Republik Kongo.
Die Tropeninstitute können dazu die besten Informationen liefern. Die arabischen Länder nördlich der Sahara sowie der größte Teil Südafrikas, Namibias und ganz Lesotho sind frei von Malaria.
Reisedurchfälle gab es in Nord-, West- und Zentralafrika. Der Osten und Süden Afrikas ist hygenisch sauberer.
In den arabischen Ländern sind die Krankenhäuser akzeptabel, in Zimbabwe, Namibia, Swaziland und Südafrika haben die Privatkrankenhäuser europäischen Standard.
Ein empfehlenswertes Buch dazu heißt “Wo es keinen Arzt gibt” (wie hieß gleich der Verlag?).

Impfungen

  • Gelbfieber (hält 10 Jahre)
  • Typhus
  • Hepatitis
  • Tetanus
  • Malariaprophylaxe (empfohlene Mischung: 2x/Woche ”Chloroquin” und täglich 2 ”Palludrin”. Für eine eventuelle Malaria-Attacke ”Lariam”), dazu auch Hausarzt und/oder Tropeninstitut konsultieren.

Zeitig genug mit dem Impfen anfangen, da zwischen den Impfreihen bestimmte Zeiten liegen müssen und manche Impfstoffe nicht gleichzeitig gegeben werden können. Mehr Infos gibts bei den Gesundheitsämtern oder (noch besser) über die Internetseiten entsprechender Institutionen.

Ernährung

Ab Italien hörten die Supermärkte auf und fingen erst bei den Viktoriafällen in Zimbabwe wieder an. Eine Ausnahme sind die Großstädte. Dort kann man für teures Geld importierte Waren aus Europa kaufen. Dort haben wir uns jedesmal mit einem Nudelvorrat ausgestattet. Auf dem Land kauft man in den Märkten ein, bzw. geht zu den Garküchen und ißt dort. Die Produkte sind frisch und billiger als in der Stadt.
In menschenleeren oder sehr armen Gegenden haben wir nicht immer genug “Treibstoff” bekommen können. Dies hat sich dann auf die Tageskilometer ausgewirkt. In Südafrika ankommend hat es eine Weile gedauert, bis wir wieder gelernt hatten, keine Vorratshaltung führen zu müssen. Coca Cola gibt es fast überall genauso wie Bier in Flaschen. In Nigeria gibt es “Malta”, ein Malzbier wie Vitamalz und hervoragender Durstlöscher.

Sprache

In ganz Nord-, West- und Zentralafrika wird französisch gesprochen. Die Ausnahmeländer sind Ghana, Liberia, Nigeria, sowie der westliche Teil von Kamerun.
Auf dem Land spricht man manchmal ein wenig englisch. Dies ist so radebrechend, daß es schwer zu verstehen ist. Man nennt es Pigeon Englisch.
In Ost- und Südafrika wird englisch gesprochen. Die Ausnahmeländer sind Angola und Mocambique. Dort ist die Hauptsprache portugisisch.
Nebst den Sprachen der ehemaligen Kolonialisten gibt es einige Verkehrssprachen, die teilweise erstaunliche Flächen abdecken. Hier lernt man automatisch die wichtigsten Wörter unterwegs. Die Sprachen sind: Haussa aus Nigeria, das in großen Teilen Westafrikas verstanden wird, Lingala aus der Demokratischen Republik Kongos, das fast überall in Zentralafrika gesprochen wird, Swaheli oder Kiswaheli, das in Ostafrika gesprochen wird, sowie Zulu im südlichen Afrika.

Kultur

So verschieden die Menschen sind, so unterschiedlich sind die Kulturen. Im Norden erfuhren wir besonders in der Sahara eine tolle Gastfreundschaft, nur in den Touristenzentren an der Küste nervten die Händler. Die Westafrikaner sind stolze Menschen und legen eine farbenfrohe Existenz an den Tag. Ihre Neugierde und Wißbigierigkeit kannte keine Grenzen. Das hatte zu Folge, das selbst bei der kleinsten Pause sofort die Kinder angerannt kamen. Dadurch war das nötige Erholungsnickerchen manchmal kaum möglich. Im Gegensatz dazu sind die Ost- und Südafrikaner durch den britischen Einfluß zurückhaltender. Trotzdem aber sehr hilfsbereit, nur – fragen nach dem Weg oder einer Kilometerangabe oder wieviele Berge kommen noch, sollte man besser nicht: Die Menschen möchten helfen und geben eine Information, selbst wenn sie keine Ahnung haben.

Kriminalität

Der wichtigste Schutz ist, sich auf sein Gefühl zu verlassen. In den Großstädten muß man sich vor Dieben in Acht nehmen. Auf dem Land ist die Chance, bestohlen zu werden, sehr gering. In politisch unstabilen Ländern ruhig zu Polizei gehen: In Nigeria hat Jens manche Nacht in der Gefängniszelle bei offener Tür verbracht!

Post

Im Zeitalter der e-mails schreibt man immer weniger Briefe. Als "Poste Restante" adressiert haben wir alle paar Monate die heißersehnten Nachrichten aus der Heimat in den vorher angegebenen Postämtern in Empfang genommen. In den Großtädten gibt es heute Internet Café’s und auch die Handys funktionieren. Nur sind die Gebühren dafür sehr hoch.